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Szene-Polizei erhebt Anklage gegen “Red Stuff”

„Hier spricht die Szene-Polizei“
Stolz, wie die soziale/linksradikale/antifaschtische/etc. Bewegung auf ihren Pluralismus ist, fühlen sich die ihr Angehörigen doch oft dazu verpflichtet, den anderen zu erklären, was an ihrer Theorie und/oder Praxis denn alles falsch sei. Dem_ Autor_ dieser Zeilen geht es hierbei nicht anders. Allzu oft greif ich mir auf den Kopf und verzweifle an dem was ich sehe, nicht verstehen kann und gar nicht verstehen möchte. Ab und an geht mein Ärger und mein blankes Unverständnis soweit, dass ich meine Szene-Polizei-Marke anstecke, meine Szene-Polizei-Blaulicht aktiviere und versuche den Leuten zu erklären, wie es denn nun eigentlich wirklich gehört.
Auch dieser Blog-Eintrag fällt klar in eben jene Schiene. Vor nicht allzu lange Zeit habe ich die Webseite des „Red Stuff“-Versandes besucht, der sich als “Antifa Versand” bezeichnet, und mir fiel das Bild für den Link zur MySpace-Seite des Versandes auf. Nun ist es an sich schon zweifelhaft eine MySpace-Seite zu betreiben (1), aber das Logo, das hierfür verwendet wurde, stieß mir wirklich sauer auf. Es zeigt eine (handwerklich gut) abgewandelte Version des Logos der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), der diktatorisch regierenden Partei der DDR:

Bis jetzt kann ich hierfür kein Verständnis aufbringen (2), deswegen möchte ich verschiedene mögliche Beweggründe für die Verwendung erläutern und erklären warum ich sie verwerfe:

1) Möglicherweise soll das Logo einen direkten Bezug zur Staatsdoktrin des „Antifaschismus“ der DDR herstellen. Diese Doktrin ist äußerst umstritten. Um genau zu sein handelt sich hier um ein diskursives Minenfeld: Einerseits gibt es (sich meist als links verstehende) Ostalgiker, die Partei für die Partei ergreifen, andererseits kommen interessierte Leser_innen schnell auf die Webseiten der Konrad-Adenauer-Stiftung, der queerfront-anhängenden, eigentums-unterjochten Zeitschrift „eigentümlich frei“, bis zum nazistischen Deutschland Echo, die gleich den Antifaschismus als solchen in ein schlechtes Licht zu rücken versuchen. Es ist schwierig sich auf diesem Pfad voller Halbwahrheiten und Grabenkämpfe zurechtzufinden, recht informativ und einigermaßen vertrauenswürdig erscheint mir folgende Seite: http://www.antifa-nazis-ddr.de/
Um meinen Erkenntnisstand zusammenzufassen: Es scheint einer antifaschistischen Anschauung (von einer anarchistischen mal ganz zu schweigen) nicht angemessen, das Symbol der SED in ihrem Sinne zu verwenden. Immerhin war die SED die erste Partei Nachkriegsdeutschlands, die sich für ehemalige Mitglieder der NSDAP öffnete und hatte „ehemalige“ Nazis in ihren Spitzen. Es ist wirklich nicht zuviel gesagt, dass eine solche Partei kein Vorbild für die heutige Antifa-Bewegung sein kann.

2) Ein anderes Argumentationsmuster wäre das der (Wieder-)Aneignung. Eine Wiederaneignung wäre es nur, wenn sich jene die dieses Bild verwenden sich an seiner ursprünglichen Bedeutung orientieren würden, also an jener der SED. Dies würde uns zum ersten Punkt zurückführen.
Anders verhält es sich mit der Aneignung. Es stellt sich hierbei die Frage, von wem wir (als „die radikale Linke“) uns das Symbol aneignen würden und wozu. Von der ehemaligen SED? Das MySpace-Bild von Red Stuff würde es ihr nicht streitig mache, sondern einfach weiterverwenden. Oder wollen wir uns das Symbol wiederaneignen, nachdem es von der bürgerlichen Mitte angeignet wurde? Also wiederum eher im Sinne der SED?
Mir würde sich in allen mir erdenklichen Fällen für diese Bild keine sinnvolle Begründung erschließen. Eine Aneignung dieses Parteilogos ohne sich eindeutig gegen die SED zu wenden scheint nicht emanzipatorisch. Als emanzipatorisch wertvoll empfände ich beispielsweise folgende Aneignung durch mich, da sie weder im Sinne der bürgerlichen Mitte noch der SED lesbar wäre:

3) Am wahrscheinlichsten erscheint mir, dass die Verwendung eben dieses Bildes aus einer Art marxistischer Folklore erwächst, wie sie zum Beispiel in der „jungen Welt“ gepflegt wird. In diesem Fall wäre die Verwendung des Symbols äußerst unreflektiert und würde dem Ansehen der Antifa-Bewegung schaden. Das Logo belegt geradezu die Behauptung, dass die Antifa repressive Ziele hat, so wie sie eben die SED verfolgte.

Was bleibt der „Szene-Polizei“ hier groß zu tun? Vielleicht der Hinweis sich genau zu überlegen, wo mensch sich mit politischen Materialien eindeckt und ob ein Versand denn politisch zu einem passt.

(1) siehe dazu https://we.riseup.net/bitbybit/gefahren-von-sozialen-netzwerken

(2) Ich habe bereits per Kontaktformular eine Anfrage an die Betreiber_innen geschickt und keine Antwort erhalten. Hier der Text meiner Anfrage:
„Eine Anfrage bezüglich eures MySpace Symbols: Warum habt ihr das Zeichen der SED dafür hergezogen? Immerhin war die SED doch die erste Partei die Nazis wieder aufgenommen hat und die “antifaschistische” Vergangenheit der DDR ist auch nicht gerade unbefleckt, hatte sie doch ihr ganz eigenes Verständnis von Antifaschismus. Ich erachte es für einen „Antfia-Versand“ (sic) als problematisch ein derartiges Parteisymbol zu übernehmen und bitte darum um eure Stellungnahme, vielleicht könnt ihr ja meinen Blick erhellen.

grüße
Statuliber“

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