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Zur Betriebsinfo #3

Ich habe bereits zur Betriebsinfo #2 einen Artikel geschrieben, der zu einer gewissen Kontroverse geführt hat und mit einem Artikel meinerseits vorerst ihr Ende gefunden hat. Auf diese Kontroverse wird auch im Text Bezug genommen.

 

Mittlerweile ist die Nummer 3 der Betriebinfo von syndikalismus.wordpress.com erschienen. Und weil ich zur letzten Nummer sehr viel Kritik geäußert habe, möchte ich eingangs betonen, dass ich bei dieser Nummer weniger zu bekritteln habe.

So scheint mir zum Beispiel der vorgestellte Text von Rudolf Rocker weniger zweifelhaft als jener von Johann Most. Kritisch soll zwar angemerkt sein, dass mit Rocker erneut ein relativ alter Autor präsentiert wird, aber dieser kann durchaus zu den Klassiker_innen gezählt werden. Zudem ist Rockers Werk momentan aufgrund eines Rechtsstreits besonders in den Blick geraten. Siehe mehr dazu hier.

Der Leitartike dieser Ausgabe ist eine Polemik gegen die IG Metall, die darauf hinausläuft, dass diese sich zusehends von der Klasse, die sie zu vertreten beansprucht, abgekapselt hat. Nun ist diese Kritik sicherlich zutreffend, eine Punkt in ihrer Ausführung scheint mir jedoch selbst kritikwürdig. Die eigene Position wird als “altmodisch und traditionell” bezeichnet. Zwar scheint dies ironisch gemeint zu sein, eindeutig geht dies aus dem Text jedoch nicht hervor. Aus diesem Grund fürchte ich eine Anschlussfähigkeit zu konservativen Positionen. Der progressive Charaker des Anarcho-Syndikalismus sollte meines Erachtens stärker betont werden.

Zudem zweifle ich stark am revolutionären Charakters des Bierkellers, wie er gelobt wird. Opium oder eben Bier ist das Opium des Volkes.  Aber gut, dies ist eine eigene Frage, die noch lange nicht ausdiskutiert ist.

Ein weiteres Detail am Rande, die Selbstbeschreibung des Betriebsinfo lautet: “Das Betriebsinfo ist ein Infoblatt für LohnarbeiterInnen, PraktikantInnen, Prekäre und Hartz-IV-Betroffene.” In dieser Aufzählung fehlen einige Gruppen, denen Syndikalismus positiv gegenübersteht, illegalisierte Migrant_innen oder Studierende etwa. Zwar sind diese nicht unbedingt die Kernzielgruppe des Betriebsinfo, aber durch eine inklusivere Formulierung, wie: “Das Betriebsinfo ist ein Infoblatt für die Ausgebeuteten und Unterdrückten des Kapitalhttp://yaab.noblogs.org/post/2012/05/09/zur-betriebsinfo-3/ismus”, könnten diese einfach mit angesprochen werden.

In einem kleinen Kommentar auf der Rückseite werden Unions und FDP- Mitglieder_innen als Betrüger_innen bezeichnet, da sie ihre Doktorarbeiten abgeschrieben haben. Auch dies ist sicher ein korrekter Tatbestand, mich stört lediglich der moralistische Unterton, der hierbei deutlich herauszuhören ist. Wichtiger als zu betonen, dass diese Personen betrogen haben, wäre es die Doppelmoral und Klassenungleichheit hervorzustreichen: Arbeiter_innen müssten im Falle einer solchen Aufdeckung mit dem Jobverlust rechnen. Bei Politiker_innen der herrschenden Parteien ist dieser eher die Ausnahme und wenn dann werden sie sofort mit neuen Posten versorgt, wie im Falle Guttenbergs gut ersichtlich ist. Hier hätte mit einem einfachen Vergleich sehr gut die Ungleichheit innerhalb der Klassegesellschaft herausgestrichen werden können. Diese Chance wurde vergeben.

Zu guter Letzt möchte ich eine Kritik wiederholen, die ich schon zum Betriebsinfo #2 geäußert habe: Die Beiträge wurden nicht konsequent gegendert. Zwar werde manche Wörter wie “AntifaschistInnen” mit dem Binnen-I gegendert, andere und insbesondere jene, die als feindlich erachtet werden, “Kapitalisten” und “Neonazis” etwa, bleiben im generische Maskulin. Zugegebener Maßen sind in den beiden Beispielen weibliche Personen klar in der Unterzahl, aber sie existieren und durch die sprachliche Ausgrenzung werden Frauen nur weiter marginalisiert. Eigentlich hat Syndikalismus mir auch in diesem Punkt vorbehaltlos zugestimmt, das Probleme dürfte also eher in der erforderlichen Aufmerksamkeit liegen.

Wie schon in meinen früheren Beiträgen möchte ich betonen, dass diese kleine Kritik, und dieses Mal handelt es sich ja überwiegend um Details, konstruktiv wirken soll und nicht etwa eine Verdammung des Betriebsinfo als solches darstellt. Ganz im Gegenteil finde ich das Format sehr interessant und sehe es als wünschenswert an, dass es mehr Aufmerksamkeit bekäme!

Neue ideologische Kämpfe

Wer neben all den Wahlen (in Griechenland, Frankreich, Schleswig-Holstein und Armenien) in den letzten Tagen noch andere Nachrichten gelesen hat, ist vermutlich über die Auseinandersetzungen zwischen militanten Salafisten und der rassistischen ProNRW bzw. der Polizei, die letztere schützte, gestolpert.

Der TAZ zufolge kam es bei zwei Veranstaltungen der ProNRW in Solingen und Bonn zu Ausschreitungen, nachdem die Redner eine der berühmt-berüchtigten Mohammed-Karikaturen hergezeigt hatte. Im Vergleich zu den 1. Mai Demos dieses Jahres war zwar eine kleine Zahl an Personen beteiligt, die Gewalt dafür jedoch relativ stärker. Die Salafisten warfen Steine die ProNRW-Aktivist_innen riefen “Abschieben, abschieben”.  In Bonn kam es zu einer richtigen Straßenschlacht. Polizist_innen wurden schwer verletzt durch Messerstiche (vermutlich durch Salafisten).

(Continued)

Zum Personal der kapitalistischen Ausbeutung

Nachdem ich schon letztens eine kleinere Debatte mit syndikalismus.wordpress.com hatte (siehe hier und hier), habe ich auf ihrem Blog einen Beitrag veröffentlicht um eine Positionen, die ich bezogen hatte noch einmal von Grund auf darzulegen. Im Anschluss möchte ich diesen Text dokumentieren:

 

In den letzten Jahren haben gewisse Teile der radikalen Linken in Deutschland versucht die Personalisierung kapitalistischer Ausbeutung in eben dieser radikalen Linken zurückzudrängen. Stichworte ist hierbei die „verkürzte Kapitalismuskritik“.
In diesem Kontext möchte der Texte eine kurze Darstellung des Verhältnisses von personalen Spielräumen und kapitalistischer Ausbeutung bieten. Dabei kann nur ein kleiner Ausschnitt der real äußerst komplexen Verhältnisse erfasst werden. Es sollte als nur Grundstock an Begrifflichkeiten und Zusammenhängen gelegt werden.
Um diesen Grundstock zu bilden, werden im Folgenden zwei Modelle gegenübergestellt und verdeutlicht wo die Unterschiede zwischen dem Verständnis einer „personalisierten Ausbeutung“ und einem wechselseitigen Modell liegt.
Mit dieser Gegenüberstellung soll ein Stück klarer gemacht werden, was es denn eigentlich bedeutet, wenn eine Darstellung als „verkürzt“ bezeichnet wird. In der letzten Zeit wurde dieses Konzept teilweise so beliebig gebraucht, dass es seine Diskussionswert zu verlieren droht. Schließlich muss bedacht werden, dass ein jedes Modell der realen Verhältnisse eine Vereinfachung dieser darstellt. (Continued)

Zur Antwort zur Kritik zur Betriebsinfo #2

Zur Erläuterung: Anfang April erschien die Nummer #2 des Betriebsinfos, ich schrieb eine Kritik hierzu, mittlerweile haben die Autor_innen von syndikalismus.wordpress.com darauf geantwortet (als Kommentar auf meinem Blog und auf ihrer eigenen Seite unter dem ursprünglichen Artikel). Hier ist nun mein Kommentar zu ihrem Kommentar zu meinem Kommentar zur ihrer Flugschrift.

 

Da diese Diskussion mittlerweile unübersichtlich zu werden droht, möchte ich sie thematisch aufspalten. Dabei sehe ich drei Hauptthemen, mit Unterthemen:
1.) Personenwahl

  • auf welche Personen berufen wir uns?
  • mit welchen Personen treten wir auf?

2.) Personalisierung kapitalistischer Ausbeutung

  • Ist Personalisierung kapitalistischer Ausbeutung problematisch?
  • Kann bzw. muss der Machtunterschied der aus einer Klassengesellschaft resultiert ignoriert werden?

3.) Gendern

(hier habt ihr meine Kritik angenommen) (Continued)

Zur Betriebsinfo #2

In der letzten Zeit sind im deutschsprachigen Raum einige anarchistische Medien gekeimt, die GaiDao etwa, oder auch das Betriebsinfo von https://syndikalismus.wordpress.com/. Mittlerweile ist die Nummer 2 des Betriebsinfos erschienen undwährend ich die erste Nummer praktisch nicht beachtet habe, wollte ich auf diese einen Blick werfen.

Für das Betriebsinfo gilt was auf dem Blog steht:

“Das Betriebsinfo ist ein Infoblatt für LohnarbeiterInnen, PraktikantInnen, Prekäre und Erwerbslose. In der Regel werden sich aus dem Syndikalismus-Blog ausgewählte Beiträge im Betriebsinfo wieder finden. “

 

Es handelt sich, wie hier deutlich wird, um ein eher schnell zu verteilendes Flugblatt, als um ein detailreiches, auf Qualität bedachtes Medium. Wie ich nicht anders erwartet habe, fand ich einiges an diesem Infoblatt kritikwürdig und möchte versuchen diese Kritik hier konstruktiv niederzuschreiben.

(Continued)

Bildung

Was Bildung betrifft, bin ich eine lebendige Evidenz eines marxschen Gedankens: Klasse, im Sinne des ökonomischen Aspekts der sozialen Position, bestimmt (zumindest: beeinflusst) die Ansichten.
Meine Eltern sind in ihrer Klasse aufgestiegen. Meine Großeltern mütterlicherseits waren aus der Arbeiter_innenklasse, später gelangen es ihnen einen Greißler, was in Deutschland Tante-Emma-Laden genannt wird, aufzubauen. Monetär waren sie somit wohl eher in den Mittelklassen anzusiedeln, den Habitus der Arbeiter_innenklasse zeigten sie jedoch weiterhin. Meine Mutter arbeitete schließlich als Beamtin und Frühpädagogin. Diese Berufe, insbesondere der letztere, standen an der Kippe der Mittelklasse. Schlecht bezahlt, aber doch staatlich und sicher. Endgültig in die Mittelklasse stieg meine Mutter erst mit zwei weiteren Schritten auf: Sie wurde Lehrerin und studierte. Deutlich zu sehen: Bildung als elementarer Bestandteil der sozialen Mobilität. (Continued)

Der Bruch

Sie zerriß Blatt um Blatt. Alles was sie zu Papier brachte, schien ihr dort plump und gewöhnlich. Mit allem wollte sie brechen, mit den Stereotypen, mit den Erwartungen, mit allem.
Kaum waren ihre Worte zu Papier gebracht, merkte sie, der letzte Schritt fehlte. Jedes Genre, jeden Typus, den sie aufgenommen hatte, hatte sie gebrochen, der letzte Schritt jedoch fehlte: der Bruch mit dem Bruch. (Continued)

YASAOTBB (Yet Another Stupid Article on the Black Bloc)

Yet another stupid article on the tactic called “Black Bloc” has been published. It is not exactly what the world has needed to become a better place, but I think it is an exemplary case for the contracditions and ideology behind those articles, which tend to pop up every time there seems to be broader movement accepting the tactic. These articles almost never have a clue about the history or usefulness of the black bloc tactic, but still know that they are one of the problems keeping us from (peaceful) revolution. This time the broader movement is the occupy movement, the author of the black bloc bashing article is Chris Hedges and the titel is “Black Bloc: The Cancer in Occupy”. (Continued)

Prüfungslogik

Nach meiner “teilnehmenden Beobachtung” an einem Semester Soziologie an der Uni Goettingen komme ich zu folgendem, vorläufigen Ergebnis: Dem kritischen [1] Denken und kritischer Soziologie am abträglichsten war/ist das Prinzip der schriftlichen, standardisierten Prüfung. (Continued)

2 Notizen

Nachdem ich schon länger nichts gepostet habe, zwei kleine Fundstücke aus meinem Notizbuch, das sonst eigentlich nur meiner eigenen Nutzung dient. Als solche bleiben sie auch Fragmente und sind eher als Denkanstoß, als als Grundlage gedacht. (Continued)